written by
rene wanzlik

Baugenehmigungen: +6,8 % sind ein Versprechen, kein Gebäude

Allgemein Immobilien 6 min read , October 18, 2026

Im August 2026 wurden in Deutschland 6,8 % mehr Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt als im August 2025. Das ist eine gute Nachricht. Baugenehmigungen sind aber erst einmal Papier mit Aktenzeichen. Zwischen diesem Papier und dem ersten Sack Zement liegt der ganze Ernstfall.

Hallo liebe Immobilienfreunde, hier ist euer Rene Wanzlik.

Ich lese solche Meldungen zweimal. Beim ersten Mal freue ich mich, weil jede Wohnung vorher durch ein Amt muss. Beim zweiten Mal werde ich vorsichtig. Ich habe viele Genehmigungen in Schubladen gesehen und deutlich weniger Kräne auf dem Hof. Wer Baugenehmigungen als fertige Wohnungen liest, macht einen Fehler, der später teuer wird.

Was die Baugenehmigungen wirklich messen

Die Zahl kommt vom Statistischen Bundesamt und vergleicht August mit August. Ein Vorjahresvergleich ist mehr wert als eine Monatsveränderung, weil er einen Teil der Saison herausnimmt. Trotzdem bleibt es ein einzelner Monat. Baugenehmigungen sind zuerst ein Verwaltungsakt: Jemand reicht Unterlagen ein, ein Amt prüft, ein Bescheid geht raus. Mehr steht in dieser Zahl nicht.

Hinter einer Genehmigung steht meist ein Bauantrag, den der Bauherr im Baugenehmigungsverfahren bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde einreicht. Zu den erforderlichen Bauvorlagen können auch Bauzeichnungen gehören. Welche Anforderungen gelten, richtet sich unter anderem nach den Landesbauordnungen sowie dem Bauordnungsrecht und Bauplanungsrecht. Für Errichtung, Neubau, Nutzungsänderung oder den Umbau bestehender Gebäude können außerdem die Festsetzungen eines Bebauungsplans eine Rolle spielen.

Die erteilten Baugenehmigungen verteilen sich auf unterschiedliche Vorhaben – etwa in Ein- und Zweifamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern und Nichtwohngebäuden. Die Statistik unterscheidet auch zwischen Zweifamilienhäusern, Geschosswohnungsbau und Wohnungen in Wohnheimen. Für regionale Vergleiche kann die Zahl der Wohnungen je 10.000 Einwohner helfen; sie macht aus einem bundesweiten Plus aber noch keinen lokalen Trend.

BaugenehmigungenDas Vorhaben ist erlaubtOb der Bauherr anfängt
BaubeginnGeld ist geflossen, der Bagger stehtOb die Finanzierung bis zum Ende trägt
FertigstellungDie Wohnungen sind bezugsfertigOb die Kalkulation aufgeht

Ein Plus bei den Baugenehmigungen ist ein Signal für die Zukunft, kein Beweis. Dazu kommt die Region. Baugenehmigungen fallen nicht in Deutschland an, sondern in Landkreisen und Städten. Ein Zuwachs in einem Markt sagt nichts über den Nachbarn. Warum die Rede von „dem deutschen Wohnungsmarkt" in die Irre führt, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.

Ein Monat ist kein Trend

Dieselbe Vorsicht hilft bei fast jeder Zahl der letzten Tage. 2025 wurden in Deutschland 10 % weniger Lebkuchen produziert als im Jahr zuvor. Die Weinernte 2026 liegt voraussichtlich 4 % unter dem Durchschnitt der Vorjahre, und das ist ausdrücklich eine Prognose. Im August 2026 zählte das Amt 1,1 % weniger Übernachtungen als im Vorjahresmonat. Drei wahre Zahlen, kein Trend.

Bei den Sterbefällen wird es deutlicher. Im dritten Quartal 2026 führten Hitzewellen zu vorübergehenden Anstiegen. Das Wort „vorübergehend" trägt die ganze Aussage. Wer es überliest, baut eine Schlagzeile auf Sand.

Bemerkenswert ist auch die Weinmeldung selbst: Sie ging als Korrektur raus. Selbst eine amtliche Zahl wird manchmal nachgebessert. Das ist keine Schwäche, das ist der Normalfall. Man muss die Meldung nur zweimal lesen. Ein Monat ist kein Trend, und eine Korrektur ist keine Krise.

3,3 % Inflation und die Stufen dazwischen

Die Inflationsrate lag im September 2026 bei 3,3 %. Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lagen im August 2026 um 7,0 % unter dem Vorjahr. Die Großhandelspreise waren im September 2026 um 8,7 % höher als ein Jahr zuvor. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen.

Auf den zweiten Blick sind es drei Körbe. Erzeugerpreise messen, was der Betrieb bekommt. Großhandelspreise messen eine andere Handelsstufe mit anderen Gütern. Die Inflationsrate misst den Warenkorb der Haushalte. Ich vergleiche hier Größenordnungen, keine Kausalkette.

Sichtbar wird trotzdem ein Muster. Die Kartoffelernte war kleiner, die Preise sind deutlich gestiegen. Der Landwirt kann also weniger bekommen haben, während der Kunde mehr zahlt. Zwischen Feld und Regal liegt eine Stufe, die niemand wegdiskutieren kann.

Bei Immobilien ist es genauso. Zwischen Grundstück und Schlüsselübergabe liegen Planung, Genehmigung, Bau, Finanzierung und Abnahme. Was bei den Baugenehmigungen als Plus steht, muss an der nächsten Stufe längst kein Plus mehr sein. Ein Nebenfund: Die Kommunen haben 2025 nominal 1,5 % mehr Gewerbesteuer eingenommen als im Vorjahr. Bei 3,3 % Inflation bleibt davon real nichts übrig. Die beiden Zahlen betreffen verschiedene Zeiträume; ich nehme sie nur als Größenordnung.

Berlin debattiert, der Markt rechnet

Im Bundestag liegen zwei sehr unterschiedliche Meldungen. Die Grünen wollen die Wohnungs- und Obdachlosigkeit überwinden. Für den Stiftungsrat der Bauakademie gibt es einen Wahlvorschlag der AfD. Das eine ist Sozialpolitik, das andere Personalpolitik. Mit Baugenehmigungen hat beides nur mittelbar zu tun.

Genau das ist der Punkt. Debatten verändern den Rahmen. Sie verändern nicht die Zahl der Baugenehmigungen. Wie weit Rahmen und Markt auseinanderliegen, habe ich am Vergleich Berlin und Magdeburg beschrieben. In Berlin wird viel geschützt, in Magdeburg wird gerechnet. Beide Perspektiven sind Realität, es ist nur nicht dieselbe.

Für Eigentümer und Käufer folgt daraus eine unbequeme Regel: Prüfe nicht die Schlagzeile, prüfe den Standort. Und prüfe, welche Auflagen an genau diesem Standort gelten.

Wo die Baugenehmigung stirbt

Ich habe einen größeren Wohnungsankauf begleitet, bei dem die staatlichen Posten die Kalkulation verschoben haben. Nicht der Kaufpreis war das Problem. Es waren die Positionen daneben, die niemand im Exposé sieht.

Und ich habe erlebt, dass große Deals selten am Preis scheitern, sondern an einem Detail. Ein fehlender Nachweis, eine Frist, eine Annahme, die keiner nachgerechnet hat. So verschwindet auch eine Baugenehmigung: nicht durch einen großen Beschluss, sondern durch eine Stufe, die zu teuer wird.

Meine Empfehlung ist unspektakulär. Freu dich über die 6,8 %, sie sind besser als ein Minus. Frag beim nächsten Objekt aber nicht zuerst, ob es genehmigt ist. Frag, welche Stufe als nächste bezahlt werden muss und ob du sie tragen kannst. Baugenehmigungen sind der Anfang einer Rechnung, nicht das Ergebnis.

Bleibt dran, liebe Immobilienfreunde.

Herzlichst, Ihr Rene Wanzlik und Team

#Immobilien #ReneWanzlikImmobilien #Baugenehmigungen #Wohnungsbau #Immobilienmarkt

Quellen und weiterführende Links

Alle hier genannten Zahlen, Daten und weiterführenden Quellen sind direkt klickbar.

Amtliche Daten zum Wohnungsbau und zu den Preisen

Weitere amtliche Meldungen, im Text als Einzelzahlen eingeordnet

Öffentlicher Debattenbeitrag

Ein LinkedIn-, X- oder Verbandsbeitrag lag im vorgegebenen Material nicht vor. Die beiden parlamentarischen Kurzmeldungen sind deshalb die einzigen zulässigen Debattenbezüge und werden nicht als Faktenbeleg verwendet.

Eigene Beiträge

Hinweise zu Datenstand und Grenzen

Datenstand ist der 18. Oktober 2026. Die Weinernte 2026 ist eine Prognose und keine eingetretene Zahl. Die Gewerbesteuereinnahmen beziehen sich auf 2025, die Inflationsrate auf September 2026; der Vergleich ist eine Größenordnung, keine Zeitreihe. Erzeuger-, Großhandels- und Verbraucherpreise messen unterschiedliche Warenkörbe und dürfen nicht als Ursache-Wirkungs-Kette gelesen werden. Baugenehmigungen sind ein Frühindikator, kein Fertigstellungsmaß. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Marktanalyse und keine individuelle Kauf-, Verkaufs- oder Anlageempfehlung.

RealEstate BezahlbarerWohnraum Immobilie Immobilien Immobilienmanagement ReneWanzlik Vermietung Wirtschaft Wohnungen Wohnungsbau wohnungswirtschaft ReneWanzlikImmobilien